Category: Gastprojekte

Gastprojekte in den 11m2

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keepers lounge vol. 1

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keepers lounge vol. 1

Kuratorin: Klara Wallner

Olivia Berckemeyer, Matthew Burbidge, Fat Lava, Ferrari Hardoy,/Kurchan/Bonet, Beni Mguild, Beni Ouarain, Bu Sherwit, Wiedemann/Mettler, Thomas Wild

Eröffnung: 26. November 2016, 18:00 – 20:00 H

Mit dem Titel keepers lounge vol.1 bezieht sich die Kuratorin und Bloggerin (BLOG MOCK ROOM) auf den Ausstellungsort, einer ehemaligen Pförtnerloge. Inhaltlich folgt Klara Wallner dem Prinzip der Ausstellung „Hotel Dunkerque“, die sie 2015 im Museum FRAC NORD im französischen Dunkerque kuratiert hat: Unter dem Titel „Hotel Dunkerque“ wurde eine imaginäre Hotel-Lobby im Museum inszeniert, um ein breites Spektrum der Kunst- und Design-Sammlung des „Frac Nord – Pas De Calais“ der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und um die Schnittstellen von Kunst und Design zu untersuchen: http://www.fracnpdc.fr/?p=8151.

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Ausstellung „Hotel Dunkquerk“ @ FRAC Nord-Pas de Calais 2015. Kuratorin Klara Wallner

keepers lounge vol. 1

In der Ausstellung keepers lounge vol. 1 werden Kunst und Design und ihre Schnittstellen auf den Prüfstand gestellt. Es ist eine Inszenierung, in der die Grenzbereiche von Kunst und Design ebenso aufgezeigt werden wie ihr innerster Kern. Es wird eine Show entstehen, dessen Schaustücke eine eklektische Symbiose von Design und Kunst vorführt. Populäres früher Vertreter aus Möbel- und Angewandtem-Design wird mit Kunst von Heute in Beziehung gesetzt.

Die Grenzen zwischen Kunst und Design gehen häufig schleichend ineinander über. Design ist heute das, was Kunst bis zur Romantik war, als Nutz- und Symbolwert sich nicht ausgeschlossen hatten und so kommt es stets auf den Kontext und den künstlerischen Imeptus an und natürlich kommt es auch darauf an, was die Besitzer mit einem Kunstwerk machen.

Ist die Designikone Hardoy Chair (auch Butterfly Chair genannt), die 1939 von Ferrari-Hardoy, Kurchan und Bonet entworfen und mehrfach international ausgezeichnet und 2009 von einem Künstler bemalt wurde, durch den künstlerischen Eingriff eine Skulptur oder ist es nach wie vor ein Sitzmöbel?

keepers lounge vol.1: Teppiche Bu Sherwit, Beni Mguild (Cortesy Wild Teppich- und Textilkunst). Butterfly Chair by Ferrai-Hardoy, Kurchan und Bonet-Original by Knoll, ca. 1070, (Privatsammlung Berlin). Keramikvasen 1960er/1970er Jahre (Privatsammlung Berlin). Kissenbezüge: Cozy Horizon by  Wiedemann/Mettler. Wandfarbe Luna by Schöner Wohnen

keepers lounge vol.1: Teppiche Bu Sherwit, Beni Mguild (Cortesy Wild Teppich- und Textilkunst). Butterfly Chair by Ferrai-Hardoy, Kurchan und Bonet-Original by Knoll, ca. 1070, (Privatsammlung Berlin). Keramikvasen 1960er/1970er Jahre (Privatsammlung Berlin). Kissenbezüge: Cozy Horizon by Wiedemann/Mettler. Wandfarbe Luna by Schöner Wohnen

Sind Blumenvasen der 1960er – 1970er Jahre, die an den neuen Zyklus von Anselm Reyle erinnern, Skulpturen oder benutzbare Gefäße? Aselm Reyle nahm die Keramikvasen des Fat Lava-Stils, mit intensiven Farben und strukturbetonten Glasuren zum Vorbild und stellte nichtbenutzbare skulpturale Gefäße her. In keepers lounge vol. 1 werden Original Fat-Lava-Vasen gezeigt.Die in den 1960er Jahren entwickelte Glasur erinnert an großporig erstarrte Lavaströme. In Profikreisen wird unter Fat Lava westdeutsche Keramik der 1960er bis 1970er Jahre bezeichnet, die sich durch kräftige Farben, extreme Glasuren und experimentelle Kombinationen mit unterschiedlichsten Formen ausdrückt.

 

 

Bilduntertitel: keepers lounge vol. 1: Keramikvasen 1960er und 1970er Jahre (Privatsammlung Berlin). Auf der Wand Arbeiten von Marco Meiran und Olivia Berckemeyer. Wandfarbe Luna by Schöner Wohnen

keepers lounge vol. 1: Keramikvasen 1960er und 1970er Jahre (Privatsammlung Berlin). Auf der Wand Arbeiten von Marco Meiran und Olivia Berckemeyer. Wandfarbe Luna by Schöner Wohnen

Sind kunstvoll und Hand hergestellte Vintage-Teppiche lichtdurchwirkte Wandbilder oder geknüpfte Malerei für den Boden? Sind die handgefertigten Kissenbezüge von dem Duo Wiedemann Mettler Malereien auf denen man seinen Kopf betten kann, oder sind es Objekte, die man auf einem Regal zur Schau stellt? Mit ihrem unverkennbaren Stil, folgen Wiedemann Mettler der Umkehrung der Methode. Eine Leinwand wird in der Regel bemalt und das Duo nimmt farbige Samtstoffe und entfernt mit einer speziellen Technik die Farbe, wodurch abstrakte Bilder entstehen.

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Bu Sherwit, 1. Viertel 21. Jahrhundert, Marokko, 97 x 55 cm. Unikat. Courtesy Thomas Wild.
keepers lounge vol.1: Teppich auf dem Boden Beni Mguild, Teppiche an der Wand Bu Sherwit (Cortesy Wild Teppich- und Textilkunst.) Skulptur auf dem Sockel und Bilder by Olivia Berckemeyer. Leuchtobjekt by Matthew Burbige (Privatsammlung Berlin). Wandfarbe Luna by Schöner Wohnen

keepers lounge vol.1: Teppich auf dem Boden Beni Mguild, Teppiche an der Wand (Cortesy Wild Teppich- und Textilkunst.) Skulptur aus dem Sockel und Bilder by Olivia Berckemeyer. Leuchtobjekt by Matthew Burbige (Privatsammlung Berlin). Wandfarbe Luna by Schöner Wohnen

 

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Wiedemann/Mettler, Cozy Horizon”, 2016, Baumwollsamt mit Javelwasser bearbeitet, 50 X 50 cm. Unikat.
                                                                                                                                                    Cortesy Wiedemann/Mettler

Olivia Berckemeyer`s Skulptur „Lady D“ ist allerdings eindeutiger konnotiert. Sie wurde als Kunstobjekt entworfen und befindet sich dennoch an der Schnittstelle von Kunst und Design. Die Künstlerin bezieht sich auf die Handtaschen-Ikone Lady Dior. Die Tasche hatte ihren ersten Auftritt im September 1995, als sie von der französischen Präsidentengattin Bernadette Chirac an Lady Diana im Grand Palais Paris überreicht wurde.

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   Olivia Berckemeyer, Lady D, 2016, Unikat, Polaritwachs, 33 x 36x 28 cm. Courtesy Olivia Berckemeyer

Die charakteristischen Merkmale des Originals sind die dekorativen „Cannage-Absteppungen“. Bei Olivia Berckemeyers Wachs-Skulptur zerlaufen diese wiedererkennbaren Merkmale wie bei einer Tropfkerze. Hätte die Wachs-Skulptur einen Docht und würde man ihn anzünden, würde die Skulptur sich in Nichts auflösen, wodurch einerseits auf das Vergänglichkeitsprinzip verwiesen wird und andererseits Statussymbole ad absurdum geführt werden. Ebenso wie es die Lady Dior in unendlichen Ausführungen gibt, hat Olivia Berckemeyer verschiedene Varianten dieser It-Bag aus Wachs und Bronze in unterschiedlichen Größen und Farben kreiert.

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Olivia Berckemeyer, Lady D, 2015, Bronze, Unikatguss.

Die Methode folgt der Umkehrung. Das hat uns schon Marcel Duchamp gelehrt. Seine Ansichten stellten zu seiner Zeit den gängigen Kunstbergriff radikal in Frage. Als Ready-Made verwirklichte er das Konzept des Objet trouvé in seinen Arbeiten. Handelsübliche und industriell hergestellte Dinge wurden von Duchamp als Skulpturen auf einen Sockel gestellt und zur Kunst erklärt. Duchamp vertrat öffentlich die Meinung, dass bereits die Auswahl eines Gegenstandes ein künstlerisches Werk sei, was damals zu einem Skandal führte.

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Matthew Burbige, Napoleon,2006/2014, Holz, Edelstahl, Leuchtmittel,172 x 32 cm
keepers lounge vol.1: Teppich Beni Mguild,  (Cortesy Wild Teppich- und Textilkunst.) Skulptur auf dem Sockel und Bilder by Olivia Berckemeyer. Leuchtobjekt by Matthew Burbige (Privatsammlung Berlin). Wandfarbe Luna by Schöner Wohnen

keepers lounge vol.1: Teppich Beni Mguild, (Cortesy Wild Teppich- und Textilkunst.) Skulptur auf dem Sockel und Bilder by Olivia Berckemeyer. Leuchtobjekt by Matthew Burbige (Privatsammlung Berlin). Wandfarbe Luna by Schöner Wohnen

Was in der Vergangenheit als skandalös bezeichnet wurde, ist heute gängige künstlerische Praxis. Künstler wie Matthew Burbidge,Tobias Rehberger, Wiedemann/Mettler, Olivia Berckemeyer oder Jorge Pardo konzipieren Arbeiten, die zwischen Kunst und Design oszillieren. Mit ihren Arbeiten machen sie deutlich, dass durch den Kontextwechsel, das Besondere im Alltäglichen aufgedeckt werden kann.

Klara Wallner

Laufzeit: 01.12..2016 – 28.01.2017

Infos: http://www.11m2berlin.com

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